Deutsche Besetzungsausgaben und Feldpost – Böhmen und Mähren
Die deutschen Besetzungsausgaben für Böhmen und Mähren zählen zu den vielschichtigsten philatelistischen Zeugnissen der nationalsozialistischen Expansionspolitik. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 wurde das Protektorat Böhmen und Mähren errichtet, ein Gebilde, das formal unter deutscher Schutzherrschaft stand, faktisch jedoch direkt von Berlin gesteuert wurde. Die Postverwaltung unterstand zunächst der Reichspost, später dem Protektoratspostministerium, das seinerseits weisungsgebunden an die deutschen Besatzungsbehörden war. Die ersten Ausgaben überdruckten tschechoslowakische Marken mit dem Zusatz Böhmen Mähren oder Čechy-Morava, bevor ab 1940 eigenständige Dauer- und Sondermarken erschienen. Besonders die Ausgaben der Jahre 1940 bis 1942 zeigen eine gezielte ikonografische Vereinnahmung: Landschaftsmotive, Wappen und historische Bauwerke sollten eine scheinbare Eigenständigkeit des Protektorats suggerieren, während die deutsche Dominanz durch Währungsangaben in Kronen und Pfennigen sowie durch die deutsche Beschriftung durchschien. Ab 1943 wurden zunehmend Marken mit Kriegsmotiven herausgegeben, die den Bezug zur deutschen Feldpost und zum Kriegsgeschehen verdeutlichten. Die letzten Ausgaben datieren auf das Frühjahr 1945, kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee. Philatelistisch ist die Periode insbesondere wegen der zahlreichen Überdruckvarianten, Plattenfehler und Probedrucke von Bedeutung, die eine detaillierte Spezialisierung ermöglichen. Die Feldpost aus Böhmen und Mähren spiegelt darüber hinaus die alltägliche Kommunikation deutscher Besatzungsangehöriger, Wehrmachtsdienststellen und ziviler Verwaltungskräfte wider und bietet damit weit über den reinen Markencharakter hinaus aufschlussreiche zeitgeschichtliche Einblicke.