Abarten und Plattenfehler der DDR-Philatelie
Bei der Prüfung von DDR-Briefmarken auf Abarten und Plattenfehler zeigt sich, dass die Produktionsbedingungen in der Deutschen Wertpapierdruckerei Berlin über Jahrzehnte hinweg eine Vielzahl charakteristischer Besonderheiten hervorbrachten. Die Verwendung spezifischer Druckverfahren – vom Offsetdruck über den Stichtiefdruck bis hin zum Buchdruck – führte zwangsläufig zu technischen Variationen, die sich in Form von Plattenfehlern, Farbverschiebungen, Doppel- und Mehrfachdrucken sowie Zufallsabarten manifestierten. Besonders die frühen Ausgaben der DDR in den Jahren 1949 bis 1953 sowie die Dauermarkenreihen wie die Präsidenten- und Aufbauserie weisen eine hohe Dichte an dokumentierten Plattenfehlern auf, die von Sammlern und Prüfern seit den 1950er Jahren systematisch katalogisiert werden. Die Bewertung solcher Abarten orientiert sich an der Häufigkeit des Vorkommens, der Deutlichkeit der Abweichung und dem Zustand der jeweiligen Marke, wobei zwischen echten, also durch den Druckprozess entstandenen Fehlern, und nachträglichen Beschädigungen klar unterschieden werden muss. Die Michel-Kataloge und die Sonderkataloge zur DDR-Philatelie bilden hierbei die maßgeblichen Referenzwerke, in denen Plattenfehler mit fortlaufenden Nummern verzeichnet und regelmäßig aktualisiert werden.
Die philatelistische Forschung zu Plattenfehlern der DDR hat sich über die Jahrzehnte hinweg stetig weiterentwickelt, nicht zuletzt durch die Arbeit von Prüfern und Gutachtern, die sich mit der Authentifizierung und Einordnung dieser Besonderheiten befassen. Nach der Wiedervereinigung 1990 rückten viele der zuvor nur in Fachkreisen der DDR bekannten Abarten in das Blickfeld einer breiteren Sammlerschaft, was zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Materie führte. Die systematische Erfassung von Plattenfehlern ermöglicht es, Rückschlüsse auf die Druckauflagen, die verwendeten Druckformen und die technischen Gegebenheiten der jeweiligen Druckperiode zu ziehen. Für Sammler stellt die Beschäftigung mit Abarten und Plattenfehler eine der anspruchsvollsten Disziplinen der Philatelie dar, da sie neben fundiertem Fachwissen auch ein geschultes Auge für feinste Abweichungen in Linienführung, Farbgebung und Zahnung erfordert. Die Dokumentation und Erhaltung dieser Fehlerdrucke trägt maßgeblich zum Verständnis der postgeschichtlichen Entwicklung der DDR bei und bewahrt ein Stück philatelistischer Zeitgeschichte für nachfolgende Generationen.