Deutsche Post in China – Philatelistische Zeugnisse einer Ära
Die Deutsche Post in China nahm ihren Anfang im Jahr 1900, als im Zuge der Niederschlagung des Boxeraufstands deutsche Truppen in mehreren Hafenstädten und Handelszentren des Kaiserreichs Postämter einrichteten. Diese Auslandsdienststellen – darunter Shanghai, Tianjin, Qingdao und Hankou – waren zunächst militärisch organisiert, entwickelten sich jedoch rasch zu festen zivilen Postbetrieben, die den wachsenden Handelsverkehr zwischen dem Deutschen Reich und China abwickelten. Die Marken der sogenannten Germania-Serie wurden mit dem Aufdruck China versehen und in den jeweiligen Währungen – zunächst in Cent, später in Dollar – ausgegeben. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 endete der reguläre Postbetrieb, und die verbliebenen Ämter wurden von japanischen und britischen Kräften übernommen, was den philatelistischen Nachlass dieser kurzen, aber bedeutenden Episode deutscher Kolonialpostgeschichte umso wertvoller macht.
Für Sammler stellen die Ausgaben der Deutschen Post in China ein besonders reizvolles Gebiet dar, da die Marke nicht nur postalisch, sondern auch als Zeitdokument von hoher historischer Aussagekraft gelten. Die Aufdruckvarianten, die unterschiedlichen Währungsumstellungen und die teils nur in geringen Auflagen gedruckten Werte bieten ein weites Feld für Spezialisierungen und Forschung. Zahlreiche Stücke tragen darüber hinaus interessante Poststempel, die Aufschluss über die damaligen Versandwege und die politischen Umbrüche in Ostasien geben. Die philatelistische Beschäftigung mit diesem Thema verbindet sich somit unmittelbar mit der Geschichte des deutschen Einflusses in China, der durch den Vertrag von Versailles 1919 endgültig sein Ende fand.